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"Privat" und "öffentlich" aus medienphilosophischer Sicht

14. Thüringer Mediensymposion

Veränderte Medienwelten durch Online-Netzwerke

10. Juni 2009, 13.15 Uhr, FORUM 1

Der Verlust des Privaten - Das Netz vergisst nie.

SchuelerVZ, Lokalisten und Co. haben sich bei Heranwachsenden wie ein Lauffeuer verbreitet. Für die Mehrzahl der Jugendlichen ist das eigene Profil bei Online-Netzwerken zum festen Bestandteil ihres Ichs geworden. Klar und begrüßenswert ist: Die Kommunikationswelt und der Lebensraum der heranwachsenden Generation ist größer und vielfältiger geworden. Noch nicht hinreichend geklärt sind allerdings viele Fragen des Datenschutzes, des Schutzes von Privat- und Intimsphäre sowie Fragen nach Verhaltensstandards, die Cyber-Bullying und andere Gewaltakte verhindern sollen.

 

  • Philippe Gröschel, Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia (FSM) und SchülerVZ, Berlin
  • Fidelity Kastrow, DJane, Userin, Berlin/London
  • Thomas Krüger, Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), Bonn
  • Prof. Dr. Mike Sandbothe, Medienphilosoph, Aalborg, Dänemark
  • Mag. Dr. Christine Wijnen, Universität Salzburg
  • Moderation: Jörg Thadeusz, rbb, Potdsdam

Mike Sandbothe

Statement zur Podiumsdiskussion “Der Verlust des Privaten – Das Netz vergisst nie”

Aus medienphilosophischer Sicht möchte ich vor allem die beiden Ausgangsthesen aufgreifen, die sich im Thementext der Podiumsdiskussion finden.

Die erste These ist deskriptiv. Sie besagt, dass “für die Mehrzahl der Jugendlichen (…) das eigene Profil bei Online-Netzwerken zum festen Bestandteil ihres Ichs geworden [ist]”. Die zweite Thementext-These hat darüber hinaus eine normative Komponente. Ihr zufolge ist es nicht nur “klar”, sondern auch “begrüßenswert”, dass “die Kommunikationswelt und der Lebensraum der heranwachsenden Generation (…) größer und vielfältiger geworden [ist].”

Beide Thesen halte ich für diskussionswürdig. Hinsichtlich der ersten drängt sich mir die Frage auf, ob es nicht vielleicht treffender wäre, das Online-Profil von Jugendlichen als einen flexiblen Baustein ihres aktuellen Selbstverständnisses (bzw. ihrer experimentellen Selbstdarstellung) zu beschreiben statt als “festen Bestandteil ihres Ichs”. In Bezug auf die zweite These möchte ich hervorheben, dass die Ausweitung der digitalen Kommunikationswelt durchaus mit einer Verengung des realen Lebensraums verbunden sein kann und dass darüber hinaus nicht jede Art von Vergrößerung oder Verviefältigung per se als begrüßenswert zu bewerten ist.

In der Diskussion vor Ort wäre zu klären, ob die medienrechtlichen und medienethischen Fragen, die am Ende des Thementextes erwähnt werden (Datenschutz, Privatsphäre, Verhaltensstandards), vor dem Hintergrund einer medienphilosophischen Umformulierung der Ausgangsthesen (s.o.) in einem anderen Licht erscheinen.

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