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Definitionsversuche zur "Medienphilosophie"  
  In einer Gesellschaft, die sich selbst als "Informationsgesellschaft" verstehen will, ist das Thema "Medien" höchst aktuell. Nun hat es auch die "altehrwürdige Disziplin" der Philosophie berührt, wie der Wiener Wissenschaftsautor und Dozent für Medientheorie Frank Hartmann in einem Gastbeitrag für science.ORF.at schreibt. Er unternimmt Definitionsversuche der Frage, was das eigentlich ist, die "Medienphilosophie".  
Philosophie im medialen Zeitalter

Von Frank Hartmann

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis das Thema "Medien" auch eine altehrwürdige Disziplin wie die Philosophie berührt. Doch eine Medienphilosophie im institutionellen Sinne gibt es (noch) nicht. Trotzdem kursiert dieser Begriff sowohl in den aktuellen Diskursen, als auch im grundlagenorientierten Nachdenken über die Medien innerhalb der akademischen Gefilde.

Was also ist Medienphilosophie? Ihr Konzept kann sehr eng verstanden werden - Philosophie, die sich Medien als Thema vornimmt - oder recht breit, dann ist sie nichts weniger als eine Fortsetzung der klassischen Philosophie mit anderen Mitteln. Zwischen diesen beiden Extremen bewegt sich derzeit eine aktuelle Debatte.
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Medienphilosophie. Beiträge zur Klärung eines Begriffs
Eine aktuelle Publikation zu diesem Thema: "Medienphilosophie. Beiträge zur Klärung eines Begriffs", erschienen im Fischer Verlag (Frankfurt/Main, Januar 2003, TB Nr. 15757).

Hinweis: Diskussionsveranstaltung zum Thema am 5. Februar um 19 Uhr im DEPOT, 1070 Wien, Breitegasse 3
->   DEPOT
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Philosophisches Nachdenken über Medien
Im gewissen Sinn haben Philosophen "immer schon" über Medien nachgedacht. Erinnert sei an Platons "Phaidros"-Dialog, in dem erstmals die Kritik der Schrift als einem für argumentierendes Philosophieren ungeeigneten Medium geäußert wurde.

In einer oral geprägten Lebenswelt der Antike spielten Texte eine untergeordnete Rolle. Doch mit dem phonetischen Alphabet war es ein neues Medium, welches erlaubt hat, die argumentierende Rede in Text-Verhältnisse zu übertragen.
Philosophie als "Verschriftungs-Unternehmen"
Philosophie ist seither ein "Verschriftungs-Unternehmen", und zu den kanonisierten Texten wird gezwungen, wer sich mit Philosophie beschäftigen möchte. Das klingt banal, ist es im Zeitalter entfesselter Audiovisualitäten aber nicht:

"Was philosophieren bedeutet", so die Berliner Philosophie-Professorin Sybille Krämer, "kann also nicht unabhängig von den Medien philosophischer Arbeit und Artikulation beantwortet werden."
Nicht die Medien sind das Thema ...
Das ist auch mit ein Grund dafür, warum die meisten Autoren eher skeptisch sind, wenn es darum geht, einen in der philosophischen Tradition verankerten Blick auf die Medien zuzulassen.

Nicht die Medien sind das Thema der Philosophie, sondern das Mediale oder das Medium, als Begriff nicht unähnlich dem der Sprache, die im zwanzigsten Jahrhundert für eine philosophische Reorientierung - den so genannten "linguistic turn" - gesorgt hat.
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Zur Abwehrhaltung der etablierten Philosophie
Mike Sandbothe, Dozent in Jena und Mit-Initiator der Debatte, zur Frage, woher denn die seltsame Abwehrhaltung der etablierten Philosophie gegen das Medien-Thema stammt:

"Philosophieprofessoren sind wie die Bäume in Tollkiens 'Herr der Ringe'. Sie denken langsam und in großen Zeiträumen und bewegen sich nur im äußersten Notfall. Das Thema Medien halten die meisten von ihnen für ein Zeitgeistproblem, das man in aller Ruhe aussitzen kann. Nur keine Hektik! Nichts übereilen! Schließlich hat das Fach fast drei Jahrhunderte dazu gebraucht, um die Wende von der Bewusstseins- zur Sprachphilosophie zu vollziehen.

Sie können sich ausrechnen, welchen Weg die Medienphilosophie noch vor sich hat. Die heutigen Medienphilosophinnen und Medienphilosophen sind ungefähr in der Situation, in der sich de Maupertuis, Herder und Hamann im 18. Jahrhundert befunden haben. Ein Frege, der die medialen Strukturen von Bildern und Klängen, von Fernsehen und Internet logisch reformuliert, ist aber noch nicht in Sicht."
->   Mike Sandbothe Homepage
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Wie weit bestimmen Medien Wahrnehmung und Erkenntnis?
Doch wie weit bestimmen Medien auch die Art und Weise unserer Weltwahrnehmung und das Zustandekommen von Erkenntnis? Schrift und die aus ihr entstandene Druckkultur formten ganz entscheidend das westliche Denken. Diese von Marshall McLuhan Anfang der 60er Jahre popularisierte These trifft mittlerweile kaum mehr auf Widerspruch.
Reflexion - den Idealen der Buchkultur verpflichtet
Aber bringen die neuen Audiovisualitäten, bringt die Netzmedialität gleich schon ein neues Denken hervor? Während sich unsere Kultur längst als Informationsgesellschaft definiert, sehen sich die reflexiven Konzepte ihrer Beschreibung meist immer noch den Idealen der Buchkultur verpflichtet.
Der neue medienphilosophische Diskurs
Einzelne Philosophen wie etwa Vilem Flusser, die dem widersprochen und in neuen Kategorien der Information zu denken versucht haben, sind seltsamerweise kein Thema im neuen medienphilosophischen Diskurs.

Hier geht es eher um die Anschlussfähigkeit des fachphilosophischen Mainstreams, und nicht zuletzt um die Institutionalisierung einer neuen akademischer Disziplin im Zeitalter des Internets.
Technische Phänomene verändern die Kognition
Inhaltlich wäre eine solche neue Disziplin jedenfalls gefordert, nicht allein aufgrund der Rolle von Information und der neuen nicht typografischen Codes, sondern weil technisch induzierte Phänomene (von den Hardware-Schaltungen bis hin zu den Software-Agenten) das Gebiet der Kognition verändern und damit genau das, was in der philosophischen Tradition "Geist" genannt wird.

Ist der Diskurs nun offen für mediale Trends und technische Entwicklungen, oder geht es nur darum, dass Fachphilosophen sich zur Abwechslung auch einmal kritisch um das Thema Internet kümmern?
Verschiedene Einschätzungen
Der Ästhetik-Professor Martin Seel meint dazu, dass es eine berechtigte, jedoch "vorübergehende Sache" sei, die Philosophie über ihre Medienvergessenheit aufzuklären.

Viel weiter gehen möchte hingegen der Innsbrucker Dozent Reinhard Margreiter: "Die Philosophie ist", schreibt er, "selbst ein mediales Unternehmen, von dem neuerdings freilich in Frage steht, ob die Neuen Medien ein historisches Ende dieses Unternehmens bedeuten [...] oder ob unter den Bedingungen der Neuen Medien entweder eine problemlose Kontinuität oder Transformation traditionellen Philosophierens möglich bzw. notwendig ist."
Fragen, Antworten - und ihre Bedeutung
Das sind in der Tat mehrere Fragen, die selbst vielleicht wichtiger sind als ihre möglichen Antworten. Jede kulturelle Ausprägung stößt irgendwo auf ihre Grenzen, so auch die Textkultur der autoritativen Verweise namens Philosophie.

Und wenn ihr genuin moderner Anspruch immer noch der sein soll, dass sie "ihre Zeit in Gedanken erfasst" (G.W.F. Hegel), dann wäre die Philosophie nicht nur gefordert, sondern sogar verpflichtet, sich dem Thema Medien, und gar schon dem der Neuen Medien zu widmen.
Frank Hartmann ist Wissenschaftsautor und Dozent für Medientheorie am Publizistik-Institut der Universität Wien. In einem früheren Gastbeitrag für science.ORF.at hat er - zugleich Co-Autor und Herausgeber - das Buch "Bildersprache. Otto Neurath, Visualisierungen" in einer Kurzfassung vorgestellt.
->   Der Beitrag in science.ORF.at: Bildersprache als neue Wissenskultur
->   Frank Hartmanns Homepage medienphilosophie.net
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Weitere Buchtipps zum Thema
Vilem Flusser, "Medienkultur", Frankfurt/Main: Fischer 1997

Sybille Krämer (Hg), "Medien, Computer, Realität: Wirklichkeitsvorstellungen und Neue Medien", Frankfurt/Main: Suhrkamp 1998

Frank Hartmann, "Medienphilosophie", Wien: WUV Universitätsverlag bei UTB, 2000

Mike Sandbothe, "Pragmatische Medienphilosophie", Weilerswist: Velbrück Wissenschaft, 2001

Hubert L. Dreyfus, "On the Internet", London: Routledge 2001
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  nbx6 | 04.02, 18:14

oder auch in den worten zusammenzufassen: gebt mir gefälligst auch einen lehrstuhl!
 
 
  nbx6 | 04.02, 18:22
gut, also mit bertrand russel, wittgenstein & co hatten wir den liguistic turn. dann auch auch saussure mit dem strukturalimus, später derrida mit deconstruktion und foucault mit post-strukturalismus etc...

bezügl. linguistic turn: vermutlich auch eine sträfliche verkürzung, alles zum sprachspiel abzutun, aber immerhin mal was neues in der philosophie

andererseits jetzt mit der neuen medienphiilosophie: was könnte da genuin neues drin stecken? schliesslich wird ja auch im internet in erster linie geschrieben, also text produziert. dazu müsste doch die herkömmliche text und sprachphilosophie ausreichen

was ändern würde sich doch nur mir wirklich neuen medien, die die menschliche kommunikation nur mehr auf bilder oder gar gesprochene sprache reduzieren

was wäre denn eine bilderphilosophie? welchen mediums würde sie sich denn bedienen? wieder bilder? werden philosophen dann zu fotografen, regisseuren, hobbyfilmern? machen sie dann stummfilme? oder reden und schreiebn sie auch noch? und zitieren sie einander noch? wenn sie das nicht mehr machen, was machen sie dann?
  nbx6 | 04.02, 18:26
ich find auch nichts dabei, nicht gleich jedem letzten schrei hinterherzuhecheln. warum denn nicht aussitzen? das machen die zen-buddhisten seit jahrhunderten. brauchen auch keine bücher dazu, geschweigen denn fernseher oder internet. eine weisse wand und ein schälchen tee - mehr brauchts nicht

kanns eigentlich medienkyniker geben? was wären die? couchpotatoes
  nbx6 | 04.02, 18:27
oder die haben dann runde fernseher. die passen in ihre tonnen
  braunschwanz17 | 05.02, 16:58
ennbee
Sußerheiß Du oach sooo schwul+++++~~~
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